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| 17.05.2022

Optimaler Saisonstart bei Erdbeeren im Westen

Start der Ernte aus beheiztem Treibhausanbau schon Ende März. Der Start in der Tunnelproduktion ist Ende April erfolgt.

Dank sehr guter Witterungsbedingungen konnten die Landgard-Mitgliedsbetriebe im Westen in diesem Jahr bereits Ende März mit der Ernte deutscher Erdbeeren aus dem Treibhausanbau starten. „Seit Ende April sind im Handel inzwischen auch frische Erdbeeren aus westdeutscher Tunnelproduktion erhältlich“, erklärt Arthur Heinze, Vertriebsleitung Obst bei der Landgard Obst & Gemüse GmbH & Co. KG.

Der weitere Verlauf der Erdbeersaison ist wie jedes Jahr vor allem vom Wetter abhängig. „Gerade um die Eisheiligen herum sind Kapriolen wie Frost oder Hagel ja nie ganz ausgeschlossen. Wenn wir aber davon verschont bleiben, können wir uns ab Mitte Mai nicht nur über die ersten Freilanderdbeeren aus dem Rheinland freuen, sondern auch über einen optimalen Saisonstart, sowohl was Mengen als auch Qualitäten angeht“, so Heinze weiter.

Die nordrhein-westfälische Erdbeersaison wurde bereits Mitte April von Christoph Nagelschmitz, Präsident des Provinzialverbandes Rheinischer Obst- und Gemüsebauer e.V., und Dr. Heinrich Bottermann, Staatssekretär im Landwirtschafts- und Umweltministerium Nordrhein-Westfalen, im Rahmen einer Veranstaltung im Betrieb des Landgard-Mitgliedsbetriebes Frucht Janssen in Viersen offiziell eröffnet. Der Betrieb Frucht Janssen hatte den Termin mit viel Engagement vorbereitet und so einen gelungenen und schönen Rahmen für die offizielle Eröffnung der Erdbeersaison geschaffen.

Erdbeeren vom linken Niederrhein

Im Betrieb von Volker Janssen werden auf 13 Hektar Anbaufläche, davon fünf Hektar unter Glas und geheizt, vier Hektar ungeheiztes Foliengewächshaus und vier Hektar Folientunnel, zwischen April und Dezember durchgehend Erdbeeren geerntet und über Landgard vermarktet. Hinzu kommen sechs Hektar für die Jungpflanzenproduktion. 2021 ist der Betrieb auf eine Produktionsmenge von knapp 950 Tonnen Erdbeeren gekommen. Bei der Produktion stehen die beiden Sorten Elsanta und Malling Centenary im Mittelpunkt. Darüber hinaus werden auch immer wieder neue Sorten getestet. „Unser beliebter Klassiker Elsanta ist eine feste Erdbeersorte mit guter Haltbarkeit. Die kegelförmigen Früchte sind süß im Geschmack und haben ein starkes Erdbeeraroma. Äußerlich trägt die Erdbeerfrucht eine glänzend rote Farbe, im Innern ist sie rot mit einer weißen Kernabgrenzung“, so Volker Janssen.

Volker Janssen

Bei der Produktion setzt der Betrieb Frucht Janssen ganz auf den geschützten Anbau mit Abdeckungen über den Früchten. Dadurch ist ein optimaler Schutz gegen Wettereinflüsse wie Wind, Regen und starke Sonneneinstrahlung gewährleistet. Darüber hinaus wachsen die freihängenden Pflanzen in einem Rinnensystem auf 1,5 Meter Höhe in 100 Prozent Kokosnussschalensubstrat und ohne Bodenberührung.

Die Erdbeersaison 2022 betrachtet Volker Janssen mit gemischten Gefühlen. Positiv ist, dass es für seinen Betrieb aktuell keine wesentlichen Einschränkungen mehr durch die Corona-Pandemie gibt und auch die Probleme bei der Verfügbarkeit von Saisonarbeitskräften nur eine untergeordnete Rolle spielen. „Die beiden Corona-Jahre waren trotz aller Einschränkungen und Auflagen förderlich für den Erdbeer-Absatz. Die Verbraucher*innen haben Wert auf regionale Produktion sowie gute und frische Lebensmittel gelegt und waren auch bereit, dafür Geld auszugeben. Inzwischen verschiebt sich der Fokus schon wieder dahin, dass mehr Geld für Reisen ausgegeben wird. Und durch den Krieg in der Ukraine kommt eine allgemeine Konsumzurückhaltung hinzu“, so Volker Janssen.

Gleichzeitig sind die Produktionskosten durch Preissteigerungen in Bereichen wie Mindestlohn, Substrate, Dünger, Energie und Treibstoff um gut ein Drittel gestiegen. Da die höheren Kosten nicht vollständig an die Verbraucher*innen weitergegeben werden, steigt der Preisdruck für die Betriebe automatisch weiter an. „Hier trifft eine unvermindert hohe Produktionsmenge auf eine geringere Nachfrage. Diese Entwicklung werden einige Betriebe vermutlich nicht überstehen, wodurch der Strukturwandel in der Landwirtschaft hin zu weniger, dafür aber größeren Betrieben zusätzlich befeuert wird“, sagt Volker Janssen. Auch die Vorgabe des LEH, dass in landwirtschaftlichen Produkten lediglich fünf Wirkstoffe nachgewiesen werden dürfen, stellt laut Janssen ein Problem für die Betriebe dar. „Diese Auflage schränkt unsere Handlungsmöglichkeiten im Anbau deutlich ein. Darunter leiden auch die Qualitäten, wenn es darum geht, auf Pflanzenkrankheiten angemessen reagieren zu können“, so Volker Janssen.

Mit dem Start der Erdbeersaison 2022 steht jetzt aber erst einmal die Freude über die frischen süßen Erdbeeren im Vordergrund. Das gilt für die Verbraucher*innen genauso wie für den Erdbeerexperten Arthur Heinze von Landgard Obst & Gemüse, der die frischen Früchte am liebsten pur, mit wenig Zucker und ein bisschen Sahne genießt. Weitere leckere und kreative Rezeptideen rund um Erdbeeren gibt es auch online in der Ideenküche der Initiative „Obst & Gemüse - 1000 gute Gründe“: www.1000gutegruende.de/tag/ideenkueche/

Die hohen Energiepreise könnten, so Janssen weiter, perspektivisch zu einer Abkehr vom Anbau in geheizten Gewächshäusern führen. „Dadurch würde sich das Zeitfenster, in dem Erdbeeren aus Deutschland im Handel zur Verfügung stehen, zwangsläufig verkürzen“, vermutet Volker Janssen.